You - Ich darf dich nicht begehren

You - Ich darf dich nicht begehren

by Lauren Blakely, Tilly Johansson

NOOK Book(eBook)

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Overview

Mein Name ist Chase. Ich habe eine ganz besondere Gabe. Und damit meine ich nicht, dass ich jede Frau ins Bett kriegen kann. Das ist natürlich so, aber ich bin auch erfolgreicher Arzt und habe ein Herz aus Gold. Nur eins fehlt mir zu meinem Glück: Ein Appartement. Und das ist in New York in etwa so schwer zu finden wie die Frau fürs Leben. Apropos Frau fürs Leben: Josie, meine bezaubernde und brillante beste Freundin, hat gerade ein Zimmer frei. Problem gelöst! Und da ich aus bitterer Erfahrung genau weiß, wie fatal es ist, sich auf seine beste Freundin einzulassen, besteht auch keine Gefahr, dass wir uns zu nahe kommen. Sie schläft einfach nur nebenan … in ihrem sexy Nachthemd … und ich kann an nichts anderes mehr denken als an ihren heißen Körper. »Blakely schreibt witzig, sexy und erfrischend anders. Ihre Protagonisten sind charmant, toll ausgearbeitet und vom ersten Augenblick an sympathisch.« Romantic Times »Unglaublich sexy. Ein absoluter Buchgasmus! Eines der besten Bücher des Jahres!« USA Today-Bestsellerautorin Adriana Locke über »Big Rock - Sieben Tage gehörst du mir!«

Product Details

ISBN-13: 9783955768690
Publisher: MIRA Taschenbuch
Publication date: 03/01/2019
Series: Big Rock Series , #4
Sold by: Readbox
Format: NOOK Book
Pages: 304
File size: 1 MB

About the Author

New-York-Times-Bestsellerautorin Lauren Blakelys Markenzeichen sind sexy Liebesromane voller Herz, Humor und heißer Bettszenen. Die Kuchen- und Hundeliebhaberin hat die meisten ihrer Erfolgsromane beim Gassigehen mit ihren vierbeinigen Freunden geplottet. Mit ihren heißen Romanen aus männlicher Perspektive trifft sie genau den Nerv der Leserinnen: Jeder Teil ihrer »Big Rock«-Serie stürmte direkt nach Erscheinen sämtliche amerikanischen Bestsellerlisten.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Ich habe eine Theorie, die besagt, dass das menschliche Hirn mindestens drei Versuche benötigt, um eine Information zu verarbeiten, wenn es sich dabei um das Gegenteil dessen handelt, was man gerne hören möchte.

So wie gerade bei mir.

Ich bin beim dritten Versuch.

Obwohl ich die Worte der Frau klar und deutlich verstehe, hoffe ich, dass, wenn ich sie in Form einer Frage wiederhole, die Frau schließlich das sagen wird, was ich gern hören möchte. »Ich kriege die Wohnung nicht?« Ich versuche es erneut, denn gleich wird sich ihre schlechte Nachricht auf magische Weise in eine gute verwandeln. So als würde sich eine Reiswaffel in eine Pizza verwandeln, und zwar in eine mit extra Käse und Champignons.

Denn es kann einfach nicht sein, was die Maklerin mir hier erzählt.

»Der Vermieter hat seine Meinung geändert«, sagt sie erneut und die niedliche Zwei-Zimmer-Wohnung in Chelsea geht mir endgültig durch die Lappen.

Zähneknirschend marschiere ich vor dem Eingang der Notaufnahme auf und ab, was gar nicht so leicht ist wegen der vielen anderen Ärzte, Krankenschwestern, Sanitäter und Besucher, die sich auf dem Bürgersteig drängeln. Ich wandere mit dem Handy am Ohr ein Stück an der Ziegelsteinfassade des Krankenhauses entlang, weg von dem Getümmel. »Jetzt geht mir schon zum fünften Mal eine Wohnung durch die Lappen«, sage ich und gebe mir Mühe, gelassen zu klingen. Ich bin nicht jähzornig, werde nie wütend. Wäre ich so drauf, hätte ich jetzt einen passenden Anlass, um auszuflippen. Denn Dante lag falsch. Der zehnte Höllenkreis ist, in New York eine Wohnung zu finden. Und auch der elfte, zwölfte und dreizehnte.

Bisher verlief meine unmögliche Suche folgendermaßen: Bei der ersten Wohnung änderte die Vermieterin aus heiterem Himmel ihre Meinung. Beim zweiten erhielt ein Verwandter des Vermieters den Zuschlag. In der dritten Bude gab es Termiten. Ihr versteht, worauf ich hinauswill.

»Der Markt ist momentan ziemlich schwierig«, sagt Erica, die Maklerin. Ich muss ihr zugutehalten, dass sie sich seit über einem Monat schwer für mich ins Zeug legt. »Ich werde weiter für Sie am Ball bleiben, irgendetwas wird sich schon finden.«

»Danke. Mein Untermietvertrag läuft bald aus, und dann bin ich obdachlos.« Ich wende mich um und kehre zum Eingang zurück. Mir einfach eine Wohnung zu kaufen ist keine Option für mich. Ich stottere immer noch meine Studiengebühren ab, und Ärzte verdienen heutzutage längst nicht mehr so gut wie früher. Besonders nicht die, die im ersten Jahr in der Notaufnahme arbeiten.

Erica lacht. »Sie werden bestimmt nicht obdachlos. Außerdem habe ich Ihnen doch gesagt, dass Ihr Name auf meinem Sofa steht. Und auf meinem Bett übrigens auch, wenn Sie verstehen, was ich meine.«

Ich blinzele. Ich weiß genau, was sie meint. Ich hätte nur nicht gedacht, von meiner Maklerin an einem Mittwochnachmittag um zwei derart angemacht zu werden.

Oder wann auch immer.

»Danke für das Angebot«, erwidere ich einigermaßen überrascht, weil ich dachte, sie wäre glücklich verheiratet.

»Überlegen Sie es sich, Chase. Ich mache ein köstliches Ceviche, bin sehr ordentlich und ich würde Ihnen keinen Cent Miete abnehmen. Sie könnten mich in Naturalien bezahlen«, sagt sie schnurrend.

Wow. Meine Maklerin hat mich soeben tatsächlich gebeten, ihr Lustknabe zu sein. Fuck. Es wird Zeit, dass ich mir einen Bart stehen lasse. Ich weiß, dass ich für einen Arzt ziemlich jung aussehe, aber so jung, um als jugendlicher Sexdiener durchzugehen? Ich wende mich der Fensterscheibe des Krankenhauses zu und betrachte mein Spiegelbild. Frisch rasiert, haselnussbraune Augen, hellbraunes Haar, markantes Kinn ... Verdammt, ich bin schon ein ziemlicher Hingucker. Kein Wunder, dass Erica mich anbaggert. Vielleicht sollte ich die Frau ernster nehmen.

Obwohl ich null Interesse daran habe, als jemandes Sexsklave herzuhalten, ist ihr Angebot durchaus bedenkenswert, denn inzwischen bin ich am Ende mit meinem Latein. Ich habe Craigslist und alle anderen diesbezüglichen Websites durchforstet, aber am besten sollte ich für eine Zwei-Zimmer-Wohnung eine Spenderniere anbieten – auf diese Weise eine Bleibe zu finden wäre in dieser Stadt vermutlich erfolgversprechender.

Kennt ihr all die Fernsehserien, in denen flotte zwanzigjährige Werbeassistenten auf der Upper East Side in todschicken Wohnungen mit riesigen Pflanzenkübeln, lila getünchten Wänden und gemütlichen Leseecken wohnen? Oder in denen ein blutjunger Bursche, der einen Einstiegsjob bei irgendeiner Zeitschrift hat, eine protzige Junggesellenbude in Tribeca findet?

Das ist alles gelogen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde ich für eine Abstellkammer unter einem Treppenaufgang meine Milz hergeben. Moment, das nehme ich wieder zurück. Ich mag meine Milz. Die Abstellkammer müsste schon im zweiten Stock liegen, damit ich dafür ein Organ hergebe, selbst wenn es eines ist, das man aus medizinischer Sicht nicht unbedingt braucht.

»Was denken Sie? Interessiert?«, fragt Erica mit ihrer zweifellos besten Sexy-wie-die-Sünde-Stimme. »Bob hätte auch nichts dagegen, wenn Sie bei uns wohnen würden.«

Ich runzele die Stirn. »Bob?« Sofort will ich die Frage wieder zurücknehmen, denn mir wird bang ums Herz, dass Bob ihr Vibrator sein könnte und ich ihr voll auf den Leim gegangen bin.

»Bob ist mein Mann«, erklärt sie sachlich, und nun wünschte ich, wir würden über ein Sexspielzeug reden.

»Das ist sehr großzügig von ihm«, entgegne ich trocken. »Richten Sie ihm bitte aus, dass ich seinen Großmut sehr zu schätzen weiß, aber dass bei uns in der Umkleide eben eine Matratze für mich frei wurde.«

Ich lege auf und gehe wieder hinein; meine kurze Pause ist vorbei. Sandy, die gelockte Stationsschwester, kommt mir entgegen und deutet mit ernster Miene auf eines der Untersuchungszimmer. Doch das leise Zwinkern in ihren Augen verrät mir, dass mein nächster Patient nicht in allzu ernsten Schwierigkeiten steckt.

»Zimmer zwei. In der Stirn steckt ein Fremdkörper«, sagt sie mir. Das ist mein Stichwort, fürs Erste nicht mehr an Quadratmeter und unkonventionelle Wohnarrangements zu denken.

Als ich das Untersuchungszimmer betrete, sehe ich einen stämmigen Aquaman auf der Bettkante sitzen.

»Ich bin Doktor Summers. Coole Dreadlocks.« Ich strahle ihn an. Das hilft immer, um die Situation zu entspannen. Außerdem müsste man mir die verdammte Approbation entziehen, falls ich in irgendeiner Form auf die Acht-Zentimeter-Scherbe reagierte, die aus der Stirn des grün kostümierten Burschen ragt.

Er grinst verzagt, während er auf sein Outfit herabschaut. Der Polyester-Anzug ist am rechten Arm und am Oberschenkel aufgerissen.

»Sieht aus, als hätten Sie einen spaßigen Vormittag gehabt«, sage ich und betrachte die Glasscherbe in seiner Haut. »Lassen Sie mich raten. Ihre Stirn hat Bekanntschaft mit einem Kronleuchter gemacht.«

Er nickt schuldbewusst; der Ausdruck in seinen Augen verrät mir, dass er nicht versucht hat zu fliegen.

»Und ich riskiere noch eine Frage.« Ich fasse mir ans Kinn. »Sie haben versucht, Ihr Sexleben aufzupeppen, indem Sie sich testweise an Ihren Kronleuchter gehängt haben.«

Er schluckt und nickt knapp. »Japp. Kriegen Sie das Ding wieder raus?«

»Etwas in der Art hat Ihre Lady vermutlich auch gesagt«, meine ich und er kichert. Ich klopfe ihm auf die Schulter. »Sorry, den Spruch konnte ich mir nicht verkneifen, aber die Antwort lautet Ja, und es wird nur eine kleine Narbe geben. Ich bin ziemlich gut im Nähen.«

Er holt tief Luft, und ich mache mich an die Arbeit, betäube seine Stirn, ehe ich die Scherbe herausziehe. Währenddessen unterhalten wir uns über seine Vorliebe für Superhelden, dann erzähle ich ihm von meiner bislang erfolglosen Wohnungssuche.

»Manhattan ist verrückt«, sagt er. »Selbst bei Gewerbeimmobilien sind die Preise durch die Decke gegangen.« Dann fügt er beinahe verlegen hinzu: »Andererseits will ich mich nicht beklagen, denn ich bin in der Immobilienbranche tätig.«

»Kluger Mann. Ein Quadratmeter in dieser Stadt ist so kostbar wie ein edles Juwel.« Ich vernähe die Stirnwunde.

Nach einigen Minuten bin ich fertig und eine Krankenschwester kehrt mit einem kleinen durchsichtigen Plastikbeutel zurück, in dem die Glasscherbe liegt. Sie gibt sie mir und ich reiche sie an den rechtmäßigen Besitzer weiter.

»Ein Andenken an Ihren heutigen Besuch in der Notaufnahme«, sage ich zu dem Mann, der den Beutel entgegennimmt.

»Danke, Doc. Traurig ist nur, dass die Lady und ich nicht mal zur Hauptsache gekommen sind.«

»Deshalb ist es ja ein urbaner Mythos. Man kann es nicht miteinander treiben, wenn man an einem Kronleuchter hängt. Und hey, wenn Sie das nächste Mal auf ein Abenteuer aus sind, besuchen Sie einen Kochkurs und danach gehen Sie nach Hause und benutzen für die Nachspeise einen Tisch, okay? Aber stellen Sie sicher, dass er aus glattem poliertem Holz besteht, denn ich möchte Ihnen keinen Acht-Zentimeter-Splitter aus dem Musculus gluteus ziehen müssen. Das wäre keine so gute Kriegsgeschichte.«

Er nickt entschlossen. »Ich verspreche es. Keine Akrobatik mehr.«

»Aber Hut ab dafür, dass Sie eine Frau haben, die Sie so mag«, sage ich, als wir das Untersuchungszimmer verlassen.

Er legt den Kopf schräg. »Woher wollen Sie wissen, dass sie mich mag?«

Ich nicke in Richtung des Wartebereichs am Ende des Ganges. Auf einem der Stühle sitzt eine dunkelhaarige Frau in einem auffälligen smaragdgrünen Kostüm, die an ihrer Unterlippe knabbert und auf die Uhr sieht. Als sie den Blick hebt und Aquaman sieht, leuchten ihre Augen auf.

»Ich nehme an, die Meerjungfrau hat Sie hergebracht und wartet auf Sie?«

»Yeah«, sagt Aquaman, während er mit einem schiefen Lächeln zu seiner Frau hinüberschaut.

»Heute Abend ab ins Bett. Und nur dort wird gedingst, wenn Sie verstehen, was ich meine«, sage ich mit leiser Stimme.

Er hebt den Daumen und nickt mir zu, ehe er losgeht.

Und das ist für heute das letzte Kapitel der Geschichten über unzüchtige Handlungen, die einen in die Notaufnahme bringen. Gestern war es eine Reißverschluss-Fehlfunktion. Letzte Woche war es ein Knochenbruch, der aus einem Flickflack resultierte. Ja, ihr wollt nicht wissen, welcher Knochen dabei brach.

Nach meinem Dienst ziehe ich mir in der Umkleide meine normalen Klamotten an, genauer eine Jeans und ein T-Shirt. Ich fahre mir mit den Fingern durchs Haar, nehme meine Brille und lasse den Arbeitstag hinter mir. In dem Moment, als sich die Glastüren des Mercy Hospitals hinter mir schließen, knipse ich den medizinischen Bereich meines Hirns aus, stecke mir die Ohrstöpsel rein und schalte das Hörbuch ein, das ich mir seit einer Weile anhöre. Es handelt von der Chaostheorie und begleitet mich auf dem Weg nach Greenwich Village, wo ich mit einem guten Kumpel verabredet bin.

Downtown steige ich in einem Pulk von New Yorkern aus der U-Bahn und gehe zum Sugar Love Sweet Shop, um dort meinen Kumpel Josie abzuholen.

Ja, dieser Kumpel hat zufällig Möpse.

Denn ich habe eine weitere Theorie – Männer und Frauen können Freunde sein, sehr gute sogar. Selbst wenn die Frau zufällig die großartigsten Brüste hat, derer dieser Mann je ansichtig wurde. Und ein geiler Body ist und bleibt ein geiler Body. Ich kann ihre tolle Figur aus empirischer Sicht würdigen, was allerdings nicht bedeutet, dass ich mich mit Josie an einen Kronleuchter hängen oder sie auf einem Tisch vögeln muss.

Okay, ich gebe zu, dass es sicherlich großartig wäre, sie auf einem Tisch zu vögeln, aber ich erlaube mir nicht, in dieser Art an Josie zu denken.

Selbst obwohl sie toll aussieht in dem pinken, weit ausgeschnittenen T-Shirt und der niedlichen Schürze mit Pünktchenmuster.

Als sie mich sieht, winkt sie mich in den Süßigkeitenladen herein.

Ich folge der Aufforderung, und mir läuft das Wasser im Mund zusammen, denn ich stehe auf süße Sachen.

CHAPTER 2

Josie hält mir einen roten Fisch vor das Gesicht.

»Heute gefangen«, sagt sie und deutet mit einem auftrumpfenden Nicken auf die kleine Leckerei in ihrer Hand. »Frisch aus dem Süßigkeitenregal.«

»Hat er dir einen Kampf geliefert?«

Kopfschüttelnd lässt sie den Fisch in ein Plastiktütchen fallen. »Nee. Er hat sich meiner Kreditkarte ergeben. Ich habe ihn mir einfach so geschnappt.« Sie schnippt mit den Fingern.

Wenig später sind wir im Abingdon Square Park, einer kleinen dreieckigen Grünfläche am Rand des Village. Es ist einer der wenigen Parks in Manhattan, der sich wie eine Insel anfühlt. Wir setzen uns auf eine marineblaue Holzbank. Wir sind nicht weit entfernt vom Sugar Love Sweet Shop, wo Josie in einem Kurs gelernt hat, wie man Sushi-Süßigkeiten zubereitet.

Sie nimmt eine davon aus der Tüte und legt sie sich auf die Hand. »Bist du bereit?«

Ich öffne den Mund. »Steck es rein, Baby.«

Yeah, das klang vielleicht etwas zu versaut.

Aber wen kümmert's? Mich nicht und Josie auch nicht, die zufällig die kleine Schwester meines besten Freunds Wyatt ist. Sie bat mich, heute als ihr Versuchskaninchen herzuhalten. Als Erstes soll ich etwas probieren, das sie »Swedish-Fish-Roll« nennt. Die rote Zuckermasse liegt auf einem Stück Rice Krispies und ist mit einem grünen Fruchtgummi umwickelt.

Momente wie dieser erinnern mich daran, dass alles eine Frage der Perspektive ist. Denn, im Ernst, mein Leben könnte schlechter sein. Sicher, bald schon werde ich ein Airbnb-Dauergast sein und zwischen durchgesessenen Sofas und noch durchgelegeneren Futons hin und her wechseln, aber auf meiner Zunge wird gleich etwas absolut Leckeres landen.

Ich beiße in die Swedish-Fish-Roll hinein, und es ist ein Karneval der Köstlichkeiten. Ich wackele mit den Augenbrauen und nicke anerkennend, während ich die Leckerei hinunterschlucke. Mit der Stimme eines hellauf begeisterten Restaurantkritikers sage ich: »Die perfekte Mischung aus Marshmallow-Süße und exotischem Fruchtgummi. Man nehme die Geschmackssensation der Jahrhundert-Süßigkeit Swedish Fish hinzu und fertig ist ein Meisterwerk.«

Josie ist Konditorin, allerdings nicht irgendeine. Sie ist eine Weltklasse-Desserteuse. Ich weiß nicht, ob es das Wort überhaupt gibt, aber es sollte es geben angesichts der Tatsache, wie Josie mit Mixer und Backblech umzugehen vermag. Jede süße Kreation von ihr schmeckt so gut, dass die Geschmacksnerven im Mund eine Party feiern. Wahrscheinlich hat sie deshalb mit der Sunshine Bakery, die sie von ihren Eltern übernahm, so einen durchschlagenden Erfolg.

Sie macht große Augen, als sie mein Meisterwerk-Kompliment hört. »Wirklich? Das sagst du nicht einfach nur so daher, oder, Chase?«

Meine Miene ist todernst, als ich ihr antworte: »Ich lüge nie, wenn es um Süßkram geht. Ein Paradebeispiel waren deine Chocolate-Chip-Cookies, die das schrecklichste Nahrungsmittel der Welt enthielten, weißt du noch?«

»Du kannst das Wort noch immer nicht aussprechen, oder?«

Ich schließe die Augen, und mir läuft ein Schauder über den Rücken. »Ich versuche die Erinnerung auszublenden, die Erinnerung an ...« Ich hole tief Luft und zwinge mich, das Wort über die Lippen zu bringen. »Rosinen.« Als ich die Augen wieder öffne, sieht man in ihnen bestimmt noch mein Entsetzen über das, was Josie den hilflosen Cookies angetan hat. »Im Ernst. Wie kann man etwas so Wunderbares wie einen Chocolate-Chip-Cookie verderben mit einer ... vertrockneten Weintraube?«

Sie macht eine wegwerfende Geste mit der Hand. »Auf diese Weise findet man heraus, was beim Backen zueinanderpasst und was nicht. Man muss es ausprobieren. Ich wollte etwas Neues versuchen. Cowboy-Cookies mit Chocolate-Chips, Kokosnuss und ...«

Ich lege ihr meine Hand über die Lippen. »Sag es nicht noch mal.« Ich nehme die Hand herunter, und Josie verdreht die Augen und formt mit den Lippen das Wort Rosinen.

Ich zucke zusammen. »Wie auch immer, diese Sushi-Rolls sind das genaue Gegenteil. Sie sind perfekt. Aber warum musstest du dafür einen Kurs besuchen? Hättest du nicht einfach das Rezept besorgen können?«

Ihre Antwort ist simpel. »Ich mag es, Kurse zu besuchen, und ich möchte, dass diese kleinen Desserts so köstlich wie möglich schmecken. Außerdem hat die Frau, der der Laden gehört, die besten Süßigkeiten überhaupt. Ihre Swedish Fish sind nicht die normalen, die man im Supermarkt kaufen kann. Sie bereitet sie nach einem Familienrezept selbst zu. Sie sind wahnsinnig lecker, nicht wahr? Deshalb wollte ich mich mit dir gleich nach dem Kurs treffen. Damit du sie probieren kannst, solange sie noch ganz frisch sind.«

»Wirst du sie bei dir auch ganz frisch anbieten?«

Sie nickt aufgeregt und spreizt die Hände; der herzförmige Silberring an ihrem Zeigefinger glitzert in der Abendsonne. »Mein Plan ist folgendermaßen: Ich werde jeden Tag eine andere abgefahrene Süßigkeit anbieten. Zum Beispiel montags um drei die Sushi-Rolls, dienstags die Kokos-Chocolate-Chips-Cookies minus dem Nahrungsmittel, dessen Namen ich nicht aussprechen darf.«

Mit den Lippen forme ich lautlos das Wörtchen Danke.

»An Mittwochnachmittagen könnte ich Grapefruit-Macarons anbieten. Und ich möchte den Laden verstärkt in den sozialen Medien vermarkten, so wie es die Foodtrucks tun. Es wird in der Sunshine Bakery jedenfalls täglich zu einer bestimmten Uhrzeit eine frisch zubereitete Süßigkeit geben.«

(Continues…)


Excerpted from "You - Ich darf dich nicht begehren!"
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