Skandal in Mayfair: Historischer Liebesroman

Skandal in Mayfair: Historischer Liebesroman

by Julia London

NOOK Book(eBook)

$6.99

Available on Compatible NOOK Devices and the free NOOK Apps.
WANT A NOOK?  Explore Now
LEND ME® See Details

Overview

»Ich soll was für Sie tun?« George Easton traut seinen Ohren nicht. Hat Miss Honor Cabot ihn tatsächlich gebeten, die Verlobte ihres Stiefbruders zu kompromittieren? Die verzweifelte Debütantin nennt ihm sogar einen guten Grund: Besagte Dame droht damit, den Cabot-Schwestern die gesellschaftliche Stellung zu rauben. Halb amüsiert, halb beeindruckt lässt der uneheliche Sohn eines Adligen sich auf das riskante Spiel ein. Schließlich ist er berüchtigt für seine Affären. Doch nur allzu bald wird ihm klar, dass er viel lieber die erfrischend unkonventionelle Miss Honor verführen würde …

Product Details

ISBN-13: 9783955769024
Publisher: MIRA Taschenbuch
Publication date: 02/01/2019
Series: Die Cabot-Schwestern , #1
Sold by: Readbox
Format: NOOK Book
Pages: 320
File size: 598 KB

About the Author

Julia London hat sich schon als kleines Mädchen gern Geschichten ausgedacht. Später arbeitete sie zunächst für die US-Bundesregierung, sogar im Weißen Haus, kehrte aber dann zu ihren Wurzeln zurück und schrieb sich mit mehr als zwei Dutzend historischen und zeitgenössischen Romanzen auf die Bestsellerlisten von New York Times und USA Today. Sie lebt mit ihrer Familie in Austin, Texas.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Im Frühjahr 1812 fing der ganze Ärger an. Und das ausgerechnet in einer Spielhölle in Southwark am südlichen Ufer der Themse, die sogar in diesem Stadtviertel einen besonders schlechten Ruf hatte, weil es hier von Dieben nur so wimmelte.

Es war mehr als merkwürdig, doch gerade dieses alte, baufällige Haus, das noch aus Zeiten stammte, als die Wikinger England erobert hatten, war jetzt zum vornehmsten Treffpunkt für junge Gentlemen aus den besten Familien geworden. Die Einrichtung des Etablissements war kostbar, mit dicken Vorhängen aus rotem Samt, Holzvertäfelungen und kunstvoll verzierten Decken. Jede Nacht strömten die jungen Herren des ton in Scharen aus dem vornehmen Viertel Mayfair herbei. Sie fuhren in gut bewachten Kutschen vor, um anschließend horrende Summen aneinander beim Glücksspiel zu verlieren. Sobald einer der Gentlemen sein Limit für den Abend erreicht hatte, konnte er sich noch immer anderen Vergnügungen widmen, denn es mangelte weder an bequemen privaten Räumlichkeiten noch an französischen Damen, von denen jede einzelne ihnen gern zu Diensten war.

In einer eiskalten Nacht – etwa einen Monat vor Beginn der Ballsaison – betrat eine Gruppe sportlicher junger Gentlemen das Etablissement. Eigentlich hatten sie vorübergehend die Spielhölle gegen die Salons und Ballsäle von Mayfair eingetauscht, wo sie sich zur Abwechslung auf gesellschaftlich akzeptierte Weise vergnügen wollten. Aber dort waren sie mit dem süßen Lächeln und dem inständigsten Flehen junger Damen überredet worden, ihnen diese Spielhölle zu zeigen.

Den jungen Damen diesen Wunsch zu erfüllen, war nicht ohne Risiko für ihren Ruf. Aber jung, rücksichtslos und zu jedem Spaß aufgelegt, wie sie nun einmal waren, kamen sie der Bitte gerne nach. Es verstieß zudem gegen die Regeln des Etablissements, Frauen mitzubringen, doch davon ließen sie sich genauso wenig abschrecken. Auch die anderen Risiken für die jungen Damen wie Unglücksfälle oder Verbrechen kamen ihnen kaum in den Sinn. Für sie war das Ganze ein kleines Abenteuer im ansonsten trostlosen Winterhalbjahr.

In eben dieser Spielhölle in Southwark traf George Easton zum ersten Mal auf Miss Honor Cabot, eine Debütantin dieser Saison.

Der Aufruhr um die Ankunft der jungen Hitzköpfe und ihrer Eroberungen war ihm zunächst überhaupt nicht aufgefallen. Dabei waren sie ganz erfüllt von ihrem Wagemut und vom Stolz darauf, dass es ihnen gelungen war, den Türsteher dazu zu bringen, sie hereinzulassen. Georges Aufmerksamkeit war vom Kartenspiel gefangen gewesen, in dem er gerade dabei war, dem notorischen Spieler Charles Rutherford dreißig Pfund abzunehmen. Ihm war nicht einmal aufgefallen, dass etwas nicht in Ordnung war, bis Rutherford sagte: „Was zum Teufel soll das denn?"

Dann erst fiel sein Blick auf die jungen Damen, die in der Mitte des Raumes standen und herumflatterten und die Köpfe reckten wie ein Schwarm Vögel. Die Kapuzen ihrer Umhänge rahmten ihre hübschen Gesichter ein, mit ihrem Gekicher steckten sie sich immer wieder gegenseitig an. Neugierig blickten sie die Männer an, die sie im Gegenzug ansahen wie eine Herde guter Pferde auf dem Viehmarkt.

„Zur Hölle", murmelte George. Als er seine Karten niederlegte, stand Rutherford auf und schubste dabei unsanft das Mädchen zu Boden, das auf seinem Schoß gesessen hatte.

„Was in drei Teufels Namen wollen die denn hier?", wollte Rutherford wissen. Er sah sie aus zusammengekniffenen Augen an. „Das ist doch vollkommen verantwortungslos. Sehen Sie mich an!", polterte er laut. „Das ist ganz und gar unmöglich! Die Damen müssen sofort wieder gehen!"

Die drei jungen Gentlemen, auf deren Konto dieses Abenteuer ging, sahen einander betreten an. Der kleinste von ihnen reckte schließlich das Kinn, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. „Die Damen haben das gleiche Recht, hier zu sein, wie Sie, Sir!"

Mr Rutherfords Gesichtsfarbe nach zu urteilen, würde ihn gleich der Schlag treffen, deshalb sagte George schnell: „Dann sorgen Sie um Gottes willen dafür, dass sie Plätze finden und spielen können. Wenn sie da herumstehen, lenken sie nur die anderen Gentlemen ab."

„Spielen?", fragte Rutherford, während ihm die Augen beinahe aus den Höhlen quollen. „Sie sind nicht einmal in der Lage zu spielen."

„Das bin ich wohl", sagte eine einzige Frauenstimme.

Na, das war ja allerhand, welche der Damen wagte denn jetzt zu sprechen? George beugte sich zu Rutherford hinüber, um besser sehen zu können. Doch da die Vögelchen ständig durcheinanderflatterten, konnte er nicht erkennen, welches von ihnen gepiepst hatte.

„Wer hat das gesagt?", wollte Rutherford wissen, so laut, dass die Herren an den umstehenden Tischen auf die Auseinandersetzung aufmerksam wurden.

Keine der jungen Damen machte einen Mucks; sie sahen den Bankdirektor vielmehr mit weit aufgerissenen Augen an. Gerade als Rutherford zu einem weiteren Wutausbruch ansetzte, trat jedoch eine von ihnen vor. Sie blickte zunächst Rutherford und dann George an. Ihre Augen waren von atemberaubend tiefem Blau, im Kontrast dazu waren ihre Wimpern und ihr Haar tiefschwarz und ihre Haut alabasterweiß. Eine solche jugendliche Schönheit sah man hier nicht oft.

„Miss Cabot?", rief Rutherford ungläubig. „Was in drei Teufels Namen haben Sie denn hier verloren?"

Sie machte einen Knicks, als befänden sie sich mitten in einem Ballsaal, und verschränkte dabei die Hände miteinander. Dabei hatte sie noch immer ihre Handschuhe an. „Meine Freundinnen und ich wollten mit eigenen Augen den Ort sehen, an den die Gentlemen stets verschwinden."

Eine Welle von Gelächter lief durch die Menge der Anwesenden. Rutherford wirkte beunruhigt, so als wäre er in irgendeiner Weise verantwortlich für diesen Verstoß gegen die Regeln des Anstandes. „Miss Cabot ... dies ist nun wirklich nicht der richtige Ort für eine tugendhafte junge Dame."

Eines der Vögelchen, die hinter ihr standen, flatterte und flüsterte ihr etwas zu, aber Miss Cabot achtete nicht auf sie. „Verzeihen Sie mir, Sir, aber ich verstehe nicht ganz, wie ein Ort genau der richtige für einen tugendhaften jungen Herren sein kann, aber nicht für eine tugendhafte Dame."

Sie schaute George wieder aus ihren unglaublich blauen Augen an. Dabei verspürte er ein seltsames Ziehen in der Brust. Dann fiel ihr Blick auf die Spielkarten, die auf dem Tisch lagen. „Sie spielen Commerce?", fragte sie.

„Allerdings", antwortete George. Es erstaunte ihn sehr, dass sie dies sofort erkannt hatte. „Wenn Sie spielen möchten, Miss, dann lassen Sie sich um Himmels willen nicht davon abhalten."

Rutherford war in der Zwischenzeit kreidebleich geworden und George bemerkte nicht ganz ohne Belustigung, dass er aussah, als würde er gleich in Ohnmacht fallen. „Auf keinen Fall!", rief Rutherford. Dabei schüttelte er energisch den Kopf und hob abwehrend die Hände. „Ich muss doch sehr bitten, Miss Cabot, aber ich kann diese Tollheit auf keinen Fall dulden. Sie müssen sofort wieder nach Hause fahren."

Miss Cabot wirkte enttäuscht.

„Dann übernehme ich die Verantwortung", sagte George und schob mit dem Fuß einen der Sessel in ihre Richtung. Ein Raunen ging durch die Menge und die dicht gedrängte Gruppe kleiner Vögel begann aufgeregt zu flattern, dass die Säume ihrer Umhänge dabei über den Boden fegten. Aufgeregt tuschelten sie miteinander. „Wen habe ich das Vergnügen, an diesem Tisch zu dulden?", fragte er.

„Miss Cabot", antwortete sie. „Aus Beckington House."

Sie war also die Tochter des Earl of Beckington. Wollte sie ihn etwa beeindrucken? Dann war ihr das keineswegs gelungen. George zuckte mit den Schultern. „George Easton. Aus Easton House."

Die Mädchen hinter ihr kicherten, aber Miss Cabot verzog keine Miene. Sie lächelte ihm höflich zu. „Es ist mir ein Vergnügen, Mr Easton."

Wahrscheinlich hatte sie dieses Lächeln schon in frühester Kindheit benutzt, um zu bekommen, was sie wollte. George hielt sie für eine bemerkenswert schöne junge Frau. „Das sind hier keine Gesellschaftsspiele, Miss, haben Sie Geld für Ihren Einsatz?"

„Das habe ich allerdings", antwortete sie und hielt ihm ihre Geldbörse hin.

Gott, war das Mädchen naiv. „Das stecken Sie lieber wieder weg", sagte er. „Hinter der hübschen Fassade, den seidenen Halstüchern und polierten Lederstiefeln verbirgt sich eine echte Diebesbande."

„Zumindest haben wir noch einen Geldbeutel, Easton, und haben nicht alles mit einem Schiff versenkt", warf jemand ein.

Einige der Gentlemen lachten bei dieser Bemerkung, doch George nahm keine Notiz von ihnen. Er hatte sich sein Vermögen hart erarbeitet und einige der Männer waren neidisch auf die Klugheit, mit der er dabei vorgegangen war.

Er lud die liebreizende Miss Cabot mit einer Handbewegung ein, sich zu setzen. „Sind Sie überhaupt alt genug, um die Feinheiten eines Spiels wie Commerce zu verstehen?"

„Warum fragen Sie?", wollte sie wissen, dabei zog sie eine Augenbraue hoch und ließ sich anmutig auf dem Sessel nieder, den er ihr hingeschoben hatte. „Wie alt muss man denn sein, um sich in einem Spiel zu versuchen, bei dem es hauptsächlich um Glück geht?"

Hinter ihr tuschelten die Vögelchen eifrig, doch Miss Cabot sah George ruhig in die Augen, während sie auf seine Entgegnung wartete. Sie ließ sich nicht so leicht einschüchtern, weder von ihm noch von der ungewohnten Umgebung oder von sonst irgendetwas.

„Ich würde mir nicht anmaßen, eine Altersgrenze festzulegen", antwortete er galant. „Meinetwegen könnte jedes Kind mitspielen."

„Easton", rief Rutherford in warnendem Ton. George aber folgte eben nicht den Regeln der adligen Gentlemen und das wusste Rutherford auch ganz genau. Die Angelegenheit war ein netter Zeitvertreib; George hatte ganz und gar nichts dagegen, eine Stunde oder auch länger mit einer Dame zu verbringen – in London war er dafür wohlbekannt –, vor allem, wenn die junge Dame so attraktiv war wie diese hier. „Ist Ihnen klar, dass Sie alles bis auf den letzten Penny verlieren können?"

Sie lachte ein perlendes Lachen. „Das habe ich keineswegs vor."

Die anwesenden Gentlemen stimmten in ihr Lachen ein, einige von ihnen waren sogar aufgestanden, um sich das Geschehen aus der Nähe anzusehen.

„Man muss stets darauf gefasst sein zu verlieren, Miss Cabot", warnte George sie noch einmal.

Sie öffnete mit großer Sorgfalt ihr Handtäschchen, nahm ein paar Münzen heraus und blickte ihn stolz an. George ermahnte sich innerlich, sich nicht von ihrem Lächeln beeindrucken zu lassen ... zumindest nicht am Spieltisch.

Rutherford hingegen starrte erst George und dann Miss Cabot entsetzt an, ehe er sich langsam und sehr zögerlich wieder hinsetzte.

„Soll ich geben?", fragte George, indem er den Kartenstapel in die Höhe hielt.

„Bitte", antwortete Miss Cabot und legte ihre Handschuhe sorgfältig geglättet zur Seite, direkt neben ihren kleinen Stapel Münzen. Während George die Karten mischte, schaute sie sich im Saal um. „Wissen Sie, ich bin tatsächlich noch nie in den Vierteln südlich der Themse gewesen."

„Das erstaunt mich wenig", brummte er, während er ausgab. „Ihr Einsatz, Miss Cabot."

Sie sah sich die Karten an, die vor ihr lagen, und legte ein Schillingstück in die Mitte des Tisches.

„Mit diesem Einsatz kommen Sie in diesem Spiel nicht weit", sagte George.

„Ist es denn zulässig, so zu setzen?"

Er zuckte mit den Schultern. „Natürlich."

Statt einer Antwort lächelte sie nur.

Rutherford folgte sofort und auch die junge Dame, die schon beinahe den ganzen Abend über auf seinem Schoß gesessen hatte, nahm ihren Platz wieder ein. Der Blick, den sie Miss Cabot zuwarf, während sie sich auf seinen Knien zurechtrückte, war eine Provokation.

„Oh", murmelte Miss Cabot. Offensichtlich hatte sie gerade erst verstanden, was für eine Sorte Frau da auf Rutherfords Schoß Platz nahm, denn sie wandte den Blick ab.

„Sind Sie schockiert?", flüsterte George amüsiert.

„Ein wenig", gab Miss Cabot zu, während sie der noch jungen Hure einen Seitenblick zuwarf. „Ich hätte gedacht, sie wären irgendwie schlichter. Aber sie ist sehr hübsch, nicht wahr?"

George sah zu der jungen Frau auf Rutherfords Schoß hinüber. Er hätte sie als verführerisch bezeichnet, aber nicht unbedingt als hübsch. Miss Cabot selbst war hübsch.

Er sah sich sein Blatt an – er hatte ein Paar Könige. Das war eine leicht gewonnene Partie, dachte er, als er seinen Einsatz machte.

Eines der Dienstmädchen kam mit einem Tablett voll Essen vorbei, um es an einen der Tische zu bringen, an dem das Spiel ebenfalls wieder aufgenommen worden war. Miss Cabot schaute ihr nach.

„Miss Cabot", sagte George.

Sie sah ihn an.

„Sie sind an der Reihe."

„Oh!" Sie sah lange ihre Karten an, nahm eine weitere Münze und legte sie zu den anderen Einsätzen.

„Gentlemen, es liegen zwei Pfund auf dem Tisch. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, dann ist das Spiel noch nicht zu Ende, wenn die Sonne wieder aufgeht."

Miss Cabot lächelte ihm zu, dabei funkelten ihre blauen Augen vor Vergnügen.

George musste sich ins Gedächtnis rufen, dass er sich keine schönen Augen machen lassen durfte.

In der nächsten Runde schien Rutherford seine Vorbehalte aufgegeben zu haben, mit einer Debütantin zu spielen. In der übernächsten setzte Miss Cabot zwei Schillinge auf einmal ein.

„Miss Cabot, werden Sie nicht übermütig. Sie wollen doch nicht schon im ersten Spiel alles verlieren", sagte einer der jungen Kerle und lachte dabei nervös.

„Ich denke, dass es nicht weniger schmerzlich ist, mein ganzes Geld in sechs Spielen zu verlieren, als in einem, Mr Eckersly", antwortete sie heiter.

George gewann diese Runde, wie er erwartet hatte, doch Miss Cabot schien nicht so leicht aufgeben zu wollen. „Ich finde, es sollte überall mehr Glücksspiele geben, meinen Sie nicht?", fragte sie die umstehende Menge, die zusehends größer wurde. „Sie sind so viel unterhaltsamer als Whist."

„Nur wenn man gewinnt", wandte einer der Männer ein, die weiter hinten standen.

„Und das mit dem Geld seines Vaters", witzelte Miss Cabot zum großen Vergnügen sowohl der umstehenden Herren als auch der Vögelchen, die sie begleiteten, denn sie hatten jetzt die Aufmerksamkeit aller anwesenden Gentlemen.

Sie machten eine Zeit lang so weiter: Miss Cabot setzte hier und da einen Schilling und unterhielt die Menge mit geistreichen Bemerkungen. Die Einsätze waren bei Weitem zu gering, als dass George Spaß am Spiel gehabt hätte, aber dafür hatte er umso mehr Spaß an Miss Cabot. Sie war ganz und gar keine gewöhnliche Debütantin. Sie war geistreich und spielte gern, genoss ihre kleinen Triumphe und diskutierte ihr Spiel mit jedem, der gerade hinter ihr stand.

Nach etwa einer Stunde hatte Miss Cabot gerade noch zwanzig Pfund in ihrer Geldbörse. Sie war mit Mischen und Geben an der Reihe. „Sollen wir den Einsatz erhöhen?", fragte sie leichthin.

„Wenn Sie meinen, dass Sie meinen Einsatz halten können, bin ich ganz Ohr", sagte George.

Sie warf ihm einen kecken Blick zu. „Zwanzig Pfund für das Spiel", sagte sie und begann, die Karten zu verteilen.

George musste angesichts von so viel Naivität lachen. „Aber das ist alles, was Sie noch haben", stellte er fest.

„Nehmen Sie einen Schuldschein von mir?", fragte sie und sah ihn an. Sie hatte noch immer dieses Funkeln in den Augen. Doch ihr Blick hatte sich verändert. Sie wollte ihn herausfordern. Der Himmel mochte wissen, was das Mädchen im Schilde führte, doch sie hätte George keinen größeren Gefallen tun können. Er grinste.

„Miss Cabot, ich muss Ihnen dringend abraten", sagte einer der jungen Männer, derselbe, der schon während des gesamten Spiels hinter ihr gestanden hatte und dabei immer nervöser geworden war. „Es ist höchste Zeit, dass wir nach Mayfair zurückkehren."

„Ihre Vorsicht und Ihre Sorge um die vorgerückte Stunde habe ich verstanden und schätze sie sehr, Sir", sagte sie mit zuckersüßem Lächeln. Dabei hielt sie den Blick auf George gerichtet. „Aber Sie sind doch noch im Spiel, Mr Easton, oder etwa nicht?", fragte sie. „Und nehmen einen Schuldschein von mir?"

George hatte einer Dame noch nie etwas abschlagen können, speziell, wenn er sie so anziehend fand. „Aber mit dem größten Vergnügen", sagte er mit der eleganten Andeutung einer Verbeugung. „Ich würde einen Schuldschein über jede beliebige Summe von Ihnen nehmen."

Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer im ganzen Saal und im Handumdrehen war die Menge der Umstehenden noch größer geworden. Alle wollten Zeuge werden, wie eine Debütantin ein Vermögen an George Easton verlor, der sich selbst als Bastard des Duke of Gloucester bezeichnete.

Die Einsätze wurden immer höher, bis Rutherford sich schließlich aus dem Spiel zurückzog, weil er den Gedanken nicht ertrug, dass eine Debütantin ihm Geld schuldete. George und Miss Cabot spielten von da an alleine weiter, was ihr erstaunlich wenig auszumachen schien. Das war typisch für die Gesellschaft aus Mayfair, dachte George. Vollkommen gleichgültig, wie viel vom Geld ihres Vaters sie verspielte – Schuldscheine wie Münzen würden wie von Zauberhand wiederauftauchen.

(Continues…)


Excerpted from "Skandal in Mayfair"
by .
Copyright © 2014 Dinah Dinwiddie.
Excerpted by permission of HarperCollins Germany GmbH.
All rights reserved. No part of this excerpt may be reproduced or reprinted without permission in writing from the publisher.
Excerpts are provided by Dial-A-Book Inc. solely for the personal use of visitors to this web site.

Customer Reviews

Most Helpful Customer Reviews

See All Customer Reviews