Kakerlaken: Harry Holes zweiter Fall

Kakerlaken: Harry Holes zweiter Fall

by Jo Nesbø

NOOK Book(eBook)

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Overview

In Bangkok wurde der norwegische Botschafter ermordet. Harry soll die thailändische Polizei unterstützen und taucht tief ein in die Unterwelt einer Stadt, in der Moral und Gesetz keine Rolle spielen. Dabei findet er mehr über den Ermordeten heraus, als seinen Vorgesetzten lieb ist. Entdecken Sie auch DER SOHN, den neuen großen Kriminalroman von Jo Nesbø!

Product Details

ISBN-13: 9783548920726
Publisher: Ullstein eBooks
Publication date: 09/08/2010
Series: Ein Harry-Hole-Krimi , #2
Sold by: Bookwire
Format: NOOK Book
Pages: 432
File size: 609 KB

About the Author

Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom, Schriftsteller und Musiker. Er gehört zu den renommiertesten und erfolgreichsten Krimiautoren weltweit. Die Hollywood-Verfilmung seines Romans Schneemann wird von Martin Scorsese produziert. Jo Nesbø lebt in Oslo.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Die Ampel schaltete auf Grün, und das Dröhnen der Autos, Motorräder und Tuk-Tuks wurde immer lauter, bis Dim die Scheiben im Robertson Departement Store vibrieren sah. Dann setzte sich der Verkehr auch auf ihrer Spur wieder in Bewegung, und das Schaufenster mit dem langen roten Seidenkleid verschwand hinter ihnen im abendlichen Dunkel.

Sie hatte ein Taxi genommen. Nicht einen der überfüllten Busse oder eines der durchgerosteten Tuk-Tuks, sondern einen Wagen mit Klimaanlage und einem Fahrer, der den Mund hielt. Sie lehnte ihren Hinterkopf an die Kopfstütze und versuchte, die Fahrt zu genießen. Kein Problem. Ein Moped drängelte sich vorbei, und das Mädchen auf dem Sozius klammerte sich an ein rotes T-Shirt mit Visierhelm und warf ihnen einen leeren Blick zu. Halt dich gut fest, dachte Dim.

Auf der Rama IV Road fädelte sich der Fahrer hinter einen Lastwagen ein, der derart dicken Rauch ausspuckte, dass Dim nicht einmal mehr das Nummernschild erkennen konnte. Nachdem der Qualm die Klimaanlage passiert hatte, war er kalt und beinahe geruchlos. Aber eben nur beinahe. Sie wedelte diskret mit der Hand, um zum Ausdruck zu bringen, was sie davon hielt, und der Fahrer blickte in den Rückspiegel und fuhr wieder auf die Überholspur. Kein Problem.

So war es nicht immer gewesen. Auf dem ärmlichen Hof, auf dem sie aufgewachsen war, waren sie sechs Mädchen gewesen. Sechs zu viel, wenn es nach ihrem Vater ging. Sie war sieben Jahre alt, als sie hustend und winkend in dem gelben Staub stand, während der Karren mit der ältesten Schwester auf der Landstraße neben dem braunen Kanal davonrollte. Die Schwester hatte saubere Kleider bekommen, ein Zugticket nach Bangkok und eine Adresse in Patpong, die auf der Rückseite einer Visitenkarte notiert worden war. Sie weinte wie ein Wasserfall, obgleich Dim so heftig winkte, dass ihr beinahe die Hand abfiel. Die Mutter tätschelte Dims Kopf und sagte, dass das alles nicht leicht sei, aber auch nicht so schlimm. So bleibe es ihrer Schwester jedenfalls erspart, als kwai von Hof zu Hof zu ziehen, wie sie selbst es vor ihrer Hochzeit getan habe. Außerdem hatte Miss Wong versprochen, gut auf sie aufzupassen. Der Vater nickte, spuckte Betel durch die schwarzen Zähne und fügte hinzu, dass die farangs in den Bars gut für frische Mädchen bezahlten.

Dim hatte nicht verstanden, was ihre Mutter mit kwai meinte, aber sie wollte nicht fragen. Natürlich wusste sie, dass kwai Ochse bedeutete. Wie die meisten anderen hier hatten sie nicht das Geld für einen eigenen Ochsen, so dass sie einen mieten mussten, wenn das Pflügen der Reisäcker anstand. Erst später hatte sie erfahren, dass die Mädchen, die diesen herumziehenden Ochsentreibern folgten, ebenfalls kwai genannt wurden, da ihre Dienste im Mietpreis für den Ochsen inbegriffen waren. So verlangte es die Tradition. Hoffentlich fand sie selbst einen Bauern, der sie haben wollte, ehe sie zu alt war.

Mit fünfzehn war Dim eines Tages von ihrem Vater gerufen worden, während er ihr, die Sonne im Rücken und den Hut in der Hand, durch das Reisfeld entgegenwatete. Sie antwortete nicht sogleich, sondern richtete sich auf und ließ ihren Blick über die grünen Hügel rund um den kleinen Hof schweifen. Dann schloss sie die Augen, lauschte dem Zwitschern eines Vogels und sog den Geruch von Eukalyptus und Gummibäumen ein. Sie wusste, jetzt war sie an der Reihe.

Im ersten Jahr wohnte sie gemeinsam mit drei Mädchen in einem Zimmer. Sie teilten sich alles: Bett, Essen, Kleider. Besonders Letzteres war wichtig, denn ohne schöne Kleider bekam man nie die besten Kunden. Sie hatte tanzen gelernt, lächeln und entwickelte einen Blick dafür, wer nur etwas trinken wollte und wer gekommen war, um Sex zu haben. Ihr Vater hatte mit Miss Wong vereinbart, dass das Geld nach Hause geschickt wurde, so dass sie in den ersten Jahren nicht viel davon zu sehen bekam, aber Miss Wong war zufrieden mit ihr, und nach und nach hielt sie mehr für Dim zurück.

Miss Wong hatte allen Grund, zufrieden zu sein. Dim arbeitete hart und ihre Kunden kauften ihr viele Drinks. Überhaupt konnte sie froh sein, dass Dim noch immer da war, denn ein paar Mal wäre sie beinahe weg gewesen. Ein Japaner hatte Dim heiraten wollen, hatte dann aber kalte Füße bekommen, als sie ihn um das Geld für das Flugticket gebeten hatte. Ein anderes Mal war ein Amerikaner mit ihr nach Phuket gefahren, hatte seine Rückreise verschoben und ihr einen Diamantring gekauft, den sie dann aber einen Tag nach seiner Abreise versetzt hatte.

Manch einer hatte ihr die Bezahlung verweigert und sie weggeschickt, wenn sie protestierte, andere hatten es Miss Wong gemeldet, wenn sie nicht alles getan hatte, was sie von ihr verlangten. Sie alle hatten nicht verstanden, dass Dim ihr eigener Herr war, wenn sie sie erst aus der Bar freigekauft hatten, denn damit war der Anteil für Frau Wong gesichert. Ihr eigener Herr. Sie dachte an das rote Kleid im Schaufenster. Ihre Mutter hatte recht gehabt – es war nicht leicht, aber ganz so schwer war es auch nicht.

Und es war ihr gelungen, ihr unschuldiges Lächeln und fröhliches Lachen zu bewahren. Die Männer mochten so etwas. Vielleicht hatte sie deshalb den Job bekommen, den Wang Lee in der Zeitung Thai Rath unter der Überschrift G. R. O. oder »Guest Relation Officer« annonciert hatte. Wang Lee war ein kleiner, beinahe schwarzer Chinese, der draußen an der Sukhumvit Road ein Motel betrieb. Bei seinen Kunden handelte es sich beinahe ausnahmslos um Ausländer mit besonderen Wünschen – aber nicht so besonderen, dass sie sie nicht erfüllen konnte. So gesehen, gefiel ihr die Arbeit dort besser als das stundenlange Tanzen in der Bar. Außerdem bezahlte Wang Lee gut. Der einzige Nachteil war, dass dieses Motel so weit von ihrer Wohnung in Banglamphu entfernt war.

Dieser verdammte Verkehr! Es staute sich schon wieder und sie sagte dem Fahrer, sie wolle aussteigen, obgleich sie dann sechs Spuren überqueren musste, um zu dem Motel auf der anderen Straßenseite zu kommen. Die Luft legte sich wie ein warmes, nasses Handtuch um sie, als sie aus dem Taxi stieg. Sie spähte nach einer Lücke im Verkehr und hielt sich die Hand vor die Nase, wobei sie natürlich wusste, dass das nichts nutzte, denn es gab in Bangkok nur diese Luft. Einzig dem Gestank konnte sie auf diese Art entgehen.

Sie schlüpfte zwischen den Autos hindurch, musste vor einem Pick-up zur Seite springen, auf dessen Ladefläche eine Gruppe pfeifender Jugendlicher saß, und hätte beinahe von einem hin und her kreuzenden Toyota die Waden rasiert bekommen, doch dann war sie auf der anderen Seite.

Wang Lee blickte kurz auf, als sie in die menschenleere Rezeption kam.

»Ruhiger Abend?«, fragte sie.

Er nickte mürrisch. Das war im Laufe des letzten Jahres öfter vorgekommen.

»Hast du gegessen?«

»Ja«, log sie. Er meinte es gut, aber sie hatte keine Lust auf die matschigen Nudeln, die er im Hinterzimmer kochte.

»Heute heißt es warten«, sagte er. »Der farang will erst schlafen, er ruft an, wenn er so weit ist.«

Sie stöhnte.

»Du weißt genau, dass ich bis Mitternacht zurück in der Bar sein muss, Lee.«

Er sah auf die Uhr.

»Gib ihm eine Stunde.«

Sie zuckte mit den Schultern und setzte sich. Wenn das vor einem Jahr geschehen wäre, hätte er sie vermutlich für ihre freimütige Äußerung vor die Tür gesetzt, doch jetzt brauchte er dringend jedes bisschen Umsatz. Natürlich hätte sie gehen können, aber dann wäre der ganze weite Weg umsonst gewesen. Außerdem schuldete sie Lee den einen oder anderen Gefallen, er war wirklich nicht der schlechteste ihrer bisherigen Zuhälter.

Nachdem sie die dritte Zigarette ausgedrückt hatte, spülte sie sich den Mund mit Lees bitterem chinesischen Tee und stand auf, um ein letztes Mal ihre Schminke im Spiegel über dem Rezeptionstisch zu überprüfen.

»Ich geh ihn jetzt wecken«, sagte sie.

»Hm, hast du die Schlittschuhe?«

Sie hob ihre Tasche hoch.

Ihre Absätze knirschten auf dem Kies des offenen Platzes zwischen den niedrigen Motelräumen. Zimmer 120 lag ganz hinten, sie sah keinen Wagen davorstehen, aber es brannte Licht. Also war er vermutlich aufgewacht. Ein leichter Windhauch fuhr unter ihren kurzen Rock, doch er verschaffte ihr keine Abkühlung. Sie sehnte sich nach dem Monsun, nach dem Regen. Genau wie sie nach ein paar Wochen Überschwemmung, matschigen Straßen und schimmeligen Kleidern die trockenen, windstillen Monate herbeisehnte.

Sie klopfte leise an, setzte ihr verführerisches Lächeln auf und die Frage »What's your name?« lag bereits auf ihren Lippen. Keine Reaktion. Sie klopfte noch einmal an und sah auf die Uhr. Sie konnte dieses Kleid sicher um ein paar Hundert Baht runterhandeln, auch wenn es bei Robertson war. Als sie die Klinke nach unten drückte, bemerkte sie zu ihrer Überraschung, dass die Tür unverschlossen war.

Er lag bäuchlings auf dem Bett, und zuerst dachte sie, er schlafe. Dann sah sie den Lichtreflex in dem blauen Glas des Messerschafts, der aus der signalgelben Weste herausragte. Schwer zu sagen, welcher Gedanke ihr zuerst durch den Kopf schoss, doch einer von ihnen war, dass der weite Weg von Banglamphu nun doch umsonst gewesen war. Dann bekam sie endlich ihre Stimmbänder unter Kontrolle. Doch ihr Schrei wurde vom dröhnenden Hupen eines Lastwagens übertönt, der auf der Sukhumvit Road einem unachtsamen Tuk-Tuk-Fahrer ausweichen musste.

CHAPTER 2

»Nationaltheater«, verkündete eine nasale, schlaftrunkene Stimme durch die Lautsprecher, ehe sich die Straßenbahntüren klappernd öffneten und Dagfinn Torhus in den kalten, rauen und gerade erst angebrochenen Wintermorgen trat. Die Luft schmerzte auf seinen frisch rasierten Wangen und im Schein von Oslos sparsamer Neonbeleuchtung sah er seinen eigenen Atem.

Es war die erste Januarwoche, und er wusste, dass das Wetter im Laufe des Winters immer besser wurde, weil dann der Fjord vereist und die Luft trockener war. Er ging über den Drammensvei in Richtung Außenministerium. Ein paar einsame Taxis fuhren an ihm vorbei, doch ansonsten waren die Straßen leer. Die riesige Reklameuhr, die sich rot vom schwarzen Winterhimmel abhob, zeigte eben erst sechs Uhr.

Vor der Tür nahm er seine Zugangskarte heraus. »Position: Verwaltungschef« stand über dem Bild eines zehn Jahre jüngeren Dagfinn Torhus, der mit vorgerecktem Kinn und zielstrebigem Blick durch seine Stahlbrille in die Kamera starrte. Er zog die Karte durch das Lesegerät, tippte den Code ein und drückte die schwere Glastür der Victoria-Terrasse auf.

Nicht alle Türen hatten sich so leicht öffnen lassen, seit er vor bald dreißig Jahren als 25-Jähriger hierhergekommen war. Auf der »Diplomatenschule«, dem Anwärterkurs für das Auswärtige Amt, war er mit seinem breiten ØsterdalsDialekt und seiner ländlichen Art bei den Großstadtyuppies oft angeeckt. Die anderen Anwärter waren Politologen, Wirtschaftswissenschaftler und Juristen, deren Eltern Akademiker oder Politiker waren, wenn sie nicht selbst zum ministeriellen Adel des Auswärtigen Amtes gehörten, in den ihre Nachkömmlinge nun aufsteigen wollten. Er war ein Bauernsohn mit einem Examen der landwirtschaftlichen Hochschule in Ås. Nicht dass ihm das selbst so viel bedeutete, aber er wusste, dass die richtigen Freunde für die weitere Karriere von großer Bedeutung waren. Während sich Dagfinn Torhus die gesellschaftlichen Gepflogenheiten einhämmerte, versuchte er, seine Defizite durch umso härtere Arbeit zu kompensieren. Abgesehen von der ungleichen Ausgangsposition, war ihnen allen gemein, dass sie nur eine unklare Vorstellung davon hatten, was sie vom Leben wollten. Das Einzige, was sie wussten, war, in welche Richtung es gehen sollte: aufwärts.

Torhus seufzte und nickte dem Securitas-Wachmann zu, der ihm die Zeitung und einen Umschlag durch die Luke in seinem Glaskasten schob.

»Sonst schon jemand ...?«

Der Wachmann schüttelte den Kopf.

»Wie immer der Erste, Torhus. Der Umschlag ist vom Nachrichtendienst, er wurde heute Nacht geliefert.«

Torhus sah die Ziffern der Etagen aufleuchten und wieder verlöschen, während ihn der Fahrstuhl nach oben beförderte. Irgendwie kam es ihm so vor, als spiegele jede Etage eine Periode seiner Karriere wider, die deshalb jeden Morgen aufs Neue Revue passierte.

Die erste Etage symbolisierte seine ersten beiden Jahre als Anwärter, die langen, unverbindlichen Diskussionen über Politik und Geschichte und die Französischstunden, durch die er sich gequält hatte.

In der zweiten Etage war das Planungs- und Beorderungsbüro. Er hatte zwei Jahre Canberra bekommen und dann drei Jahre Mexico City. So weit ganz anständige Städte, er durfte sich nicht beklagen. Obgleich er London und New York als erste Wahl angegeben hatte, doch das waren prestigeträchtige Zentren, in die alle wollten, so dass er sich entschlossen hatte, den abschlägigen Bescheid nicht als Niederlage zu werten.

In der dritten Etage war er zurück in Norwegen, ohne die luxuriösen Auslandsund Wohngeldzulagen, die ihm Raum gelassen hatten für ein Leben in nüchternem Überfluss. Er hatte Berit getroffen, sie war schwanger geworden, und als die Zeit für einen neuerlichen Auslandsaufenthalt gekommen war, war bereits Kind Nummer zwei unterwegs. Berit stammte aus der gleichen Gegend wie er selbst und telefonierte jeden Tag mit ihrer Mutter. Er hatte sich entschlossen, ein wenig zu warten, und hatte stattdessen wie ein Wahnsinniger gearbeitet, kilometerlange Abhandlungen über den bilateralen Handel mit Entwicklungsländern geschrieben, Reden für den Außenminister verfasst und von den oberen Etagen Anerkennung eingeheimst. An keinem anderen Ort des Staatsapparates ist die Konkurrenz so stark wie im Auswärtigen Amt mit seinen ausgeprägten Hierarchien. Dagfinn Torhus war jeden Tag zum Dienst erschienen wie ein Soldat an der Front, er hatte den Kopf eingezogen, sich den Rücken frei gehalten und losgefeuert, wenn er jemanden vor den Lauf bekam. Das trug ihm das eine oder andere Schulterklopfen ein, er wusste, dass er »bemerkt« worden war, und versuchte Berit zu erklären, dass er nun vermutlich Paris oder London bekommen konnte, doch da hatte sie sich zum ersten Mal in ihrer bisher recht undramatischen Ehe zur Wehr gesetzt. Er hatte nachgegeben.

So war er in die vierte Etage aufgestiegen und damit zu weiteren Untersuchungsberichten, einer Sekretärin und einem etwas höheren Gehalt, bis man ihn dann vor kurzem in die Personalabteilung in der zweiten Etage versetzt hatte.

Einen Job in der Personalabteilung zu bekommen war im Auswärtigen Amt etwas Besonderes, für gewöhnlich ein Zeichen, dass einem der Weg nach oben offenstand. Aber es war etwas geschehen. Gemeinsam mit dem Planungs- und Beorderungsbüro wählten sie die Bewerber für die jeweiligen Auslandsaufträge aus, eine Arbeit, die direkte Auswirkungen auf die Karriere anderer hatte. Vielleicht hatte er seinen Namen unter eine falsche Beorderung gesetzt oder eine Person abgelehnt, die es trotzdem geschafft hatte und jetzt irgendwie über ihm saß und an den unsichtbaren Fäden zog, die das Leben von Dagfinn Torhus und all den anderen im Auswärtigen Amt bestimmten.

Denn der Auftrieb war beinahe unmerklich ausgeblieben, und plötzlich, eines Tages, hatte er sich im Badezimmerspiegel betrachtet und einen Verwaltungschef auf dem Abstellgleis erkannt, einen nur bedingt einflussreichen Bürokraten, der den Sprung in die fünfte Etage in den letzten zehn Jahren bis zu seiner Pensionierung nie mehr schaffen würde. Außer es gelang ihm irgendeine unerwartete Heldentat. Aber diese Arten von Heldentaten hatten den Nachteil, dass sie entweder Beförderungen oder Kündigungen bewirkten.

Trotzdem versuchte er wie bisher, den anderen immer eine Nasenlänge voraus zu sein. War jeden Morgen der Erste im Büro, so dass er in aller Ruhe die Zeitungen und Faxe lesen konnte und seine Schlussfolgerungen bereits gemacht hatte, wenn sich die anderen bei den morgendlichen Besprechungen noch den Schlaf aus den Augen rieben. Die Strebsamkeit schien ihm in Fleisch und Blut übergegangen zu sein.

(Continues…)



Excerpted from "Kakerlaken"
by .
Copyright © 2001 H. Aschehoug & Co. (W. Nygaard), Oslo.
Excerpted by permission of Ullstein Buchverlage.
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